Die andersartige Mundart führte zum Spitznamen "Geese"
Das Gebiet um Philippsburg zerfällt in zwei Teile, die sich in Bodenart und Bodenerhebung unterscheiden: Im Westen in die Rheinniederung, das "Bruch", ehemals Sumpfgebiet und im Osten in das höher liegende Hochgestade, der "Rain", der sich bis an das Kraichgauer Hügelland hinzieht. Diese andersartige Bodenbeschaffenheit gab unserer Landschaft den Namen "Bruhrain", ein Teil des rechtsrheinischen Fürstbistums Speyer. Der Bruhrain ist keine sprachliche Einheit, die Mundart in Philippsburg unterscheidet sich wesentlich von der der Nachbarorte. Die Ursache der andersartigen Mundart liegt in den geschichtlichen Gegebenheiten dieser Landschaft und kennt man die Geschichte der Stadt Philippsburg, versteht man die besondere Mundart.
Im Jahr 1216 wurde das Dorf Udenheim, das spätere Philippsburg, dem Fürstbistum Speyer übereignet und im Jahr 1371 zur ausschließlichen bischöflichen Residenz. Durch den Zuzug bischöflicher Höflinge und deren Anhang gelangte die Sprache des Landesherren über den Rhein, der bis dahin eine natürliche Sprachgrenze war und den rheinfränkischen Sprachraum vom pfälzischen trennte. Durch den Bau der Festung Philippsburg im Jahr 1623 wurden über einen sehr langen Zeitraum hinweg die ständig dem Besatzungsrecht unterliegenden Bürger von Philippsburg von den Bürgern der Nachbarorte getrennt. Die strenge Torsperre an der kaiserlichen Festung Philippsburg beeinträchtigte nicht nur die Bestellung des außerhalb der Festungsmauern liegenden Ackerlandes durch die Bürger, sondern führte ebenso zur Aussperrung nicht einheimischer Bürger und damit zur sprachlichen Isolierung. Philippsburg wurde zu einer "Sprachinsel" im rheinfränkischem Sprachraum. Im Laufe der Jahrhunderte wurden diese Sprachunterschiede zwischen Philippsburg und den Nachbarorten so deutlich und unverkennbar, dass der Philippsburger alleine schon wegen seiner besonderen Mundart zu erkennen war. Die wohl gravierendste Lautänderung in dieser markanten Mundart ist: "ei zu ee" (Dehnung): heim = heem, heiß = hees, Geiß = Gees. Aus dieser Sprachsonderheit stammt der Uz- Name der Philippsburger: "Geese". Nach der Zerstörung der Stadt und Festung Philippsburg im Jahr 1799 löste sich die Philippsburger Mundart aus ihrer Isolierung und wurde bedingt durch Industrie usw. neuen verschiedenen Spracheinflüssen ausgesetzt. Dennoch sprechen die Philippsburger weiterhin so wie es ihre Vorväter taten und immer noch werden die Philippsburger von ihren Nachbarn "Geese" geuzt. Die Narrenzunft die "Geese", trägt hoffentlich ihren Teil dazu bei, die Herkunft unserer Sprachinsel nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. (Quelle: Konrad Odenwald)
Gründung:
Bereits im Jahr 1992 wurden von Roland und Marion Kohout erste Kontakte in die Narrenhochburg Elzach geknüpft, um bei dem dort ansässigen Holzschnitzer die ersten Larven zu bestellen. Schon Ende 1992 wurden dann die ersten beiden Holzlarven von Adrian Burger an Marion und Roland Kohout überreicht. Anfang 1993 war das erste Häs fertiggestellt und wurde zur Fastnachtseröffnung der Ka Ge Narhalla am 11.11. zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Gründungsversammlung war am 20.02.1994 im Gasthaus Philippsburger Hof. Dazu trafen sich 20 "närrische" Personen, die alle an der schwäbisch- alemannischen Fastnacht interessiert waren. Am Ende der Versammlung durfte Roland Kohout die Gründung der Freien Narrenzunft Philippsburg, die "Geese" bekannt geben. Mit dem Eintrag ins Registergericht des Amtsgericht Philippsburg, war die Zunft nun ein eingetragener Verein, der es sich zum Ziehl macht, das närrische Brauchtum in Philippsburg zu beleben und zu erhalten, sowie den Bürgern das besondere Flair der schwäbisch- alemannischen Fastnacht näher zu bringen.
Unser Häs:
Das Häs besteht aus braunem Stoff, der mit Kunstfell besetzt ist. Dazu gehört eine Larve aus Lindenholz und zwei Schellengurte nach dem Vorbild der schwäbisch- alemannischen Narrenzünfte.
Einzelfigur:
1996 kam zu unserer "Gees" noch die Einzelfigur des "Bock- Seppl" dazu. Dieser lebte früher wirklich in Philippsburg und ist den älteren Philippsburgern sogar noch persöhnlich bekannt. Der Bock- Seppl verdiente mit der Ziegenzucht seinen Lebensunterhalt. Er hielt hauptsächlich Ziegenböcke und die Bürger brachten zu ihm damals ihre Ziegen, um sie gegen Bezahlung von seinen Ziegenböcken decken zu lassen.
11 Jahre nach der Gründung:
Heute zählt unsere Zunft 133 Mitglieder, davon sind 61 aktiv.Wir besuchen während der Fastnacht verschiedene Umzüge und Narrentreffen wobei wir hauptsächlich im schwäbisch- alemannischen Raum unterwegs sind.
Die Geese veranstalteten 1999 selbst ihr erstes großes Narrentreffen mit Narrenumzug durch Philippsburg. Seither findet dieses Narrentreffen immer im Abstand von 3 Jahren statt und erfreut sich sichtbar wachsender Beliebtheit.
1999 veranstalteten wir, wie bereits erwähnt, unser Erstes eigenes Narrentreffen mit einem Umzug durch Philippsburgs Straßen und Gassen. Hierzu waren fast 25.000 Besucher angereist. Drei Jahre später, im Jahr 2002, fand unser zweites Narrentreffen statt. Hier konnten wir wegen starkem Nebel leider etwas weniger Besucher in Philippsburg begrüßen, feierten aber trotzedem kräftig zusammen. Unser bisheriges Highlight fand am 09. Januar 2005 statt. Anläßlich unseres 11-jährigen Bestehens stellten wir zum ersten Mal einen eigenen Narrenbaum und durften zum Narrenumzug 111 Zünfte und Musikgruppen mit weit über 3400 Aktiven bei uns Willkommen heißen. Wir konnten die Zuschauerzahlen von der ersten Veranstaltung noch toppen und durften ca. 30.000 Besucher in unserer Stadt begrüßen. Seit 2005 gibt es für alle Mitglieder, die bereits ihr 11-jähriges Vereinsjubiläum feiern durften unseren Ehrenorden in Bronze. Er wird das erste Mal zur Fastnachtseröffnung am 11.11.2005 an unsere Mitglieder verliehen.
Am Sonntag, den 18. Januar 2009 feierten wir in Philippsburg unser 4. Narrentreffen mit großem Umzug. Die "Geese" bilden dabei den Auftakt der Feiern anlässlich des 1225 Jubiläums der Stadt Philippsburg. Schon am Samstag wurde wieder der Narrenbaum gestellt und zum ersten Male von Pfarrer Thomas Maier eine Narrensegnung durchgeführt.
Und jetzt schon vormerken: 20.01.2013 - 5. Narrentreffen mit großem Hästrägerumzug in Philippsburg.